Douglasie

Pseudotsuga menziesii (Mirb.) Franco

Deutschland ist ein waldreiches Land, und der Wald ist tief in unserer Kulturgeschichte verwurzelt. Aber es gibt in Deutschland seit langem keine unberührten natürlichen Wälder mehr. Auch wenn es inzwischen Nationalparke und Schutzgebiete gibt, in denen keine forstwirtschaftliche Nutzung und Pflege mehr stattfindet, sind doch alle Waldgebiete durch die intensive Nutzungsgeschichte der vergangenen Jahrhunderte in ihrer Zusammensetzung mehr oder weniger stark beeinflusst worden. Im Mittelalter waren weite Regionen durch Übernutzung völlig entwaldet worden. Und so sind viele heutige Waldgebiete das Ergebnis der intensiven Aufforstungen, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgten. Bei diesen Aufforstungen ging es aber nicht darum, die mitteleuropäischen Urwälder wieder neu erstehen zu lassen, sondern es wurden Wirtschaftswälder geschaffen. Denn Holz war und ist ein bedeutender Rohstoff. Der Wunsch nach schnellem Wachstum und hohen Erträgen machte die Fichte, die bei uns natürlicherweise nur in den Hochlagen der Mittelgebirge und der Alpen beheimatet ist, zu einem der wichtigsten Forstbäume Deutschlands. Aber es begannen Ende des 19. Jahrhunderts auch Versuche mit exotischen Baumarten. Forstwirtschaftliche Bedeutung erlangte davon aber nur eine, die Douglasie.

Die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) stammt aus dem Westen Nordamerikas. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über fast 4.500 km von Kanada bis nach Mexiko. In diesem riesigen Gebiet unterscheidet man heute zwei Varietäten, die Küsten- und die Inland-Douglasie, die aber nicht scharf voneinander getrennt sind. Die Küsten-Douglasie (Pseudotsuga menziesii var. menziesii) ist in den ausgedehnten Nadelmischwäldern entlang der Pazifikküste von Kanada bis Kalifornien beheimatet. Sie wächst sehr schnell, kann über 100 m hoch werden und einen Stammdurchmesser von mehr als 4 m erreichen. Die von den Rocky Mountains bis in die Gebirge Mexikos beheimatete Inlandform der Douglasie (P. menziesii var. glauca) wächst dagegen langsamer und bleibt deutlich kleiner. Sie wird maximal 40 bis 50 m hoch, hat kürzere, blaugrüne Nadeln und etwas kleinere Zapfen. Die beiden Varietäten kommen in den Staaten Oregon und Washington nebeneinander vor und können miteinander hybridisieren. Im Süden Kaliforniens gibt es mit P. macrocarpa noch eine weitere, aber recht seltene Douglasien-Art. Zudem gibt es in Japan, Taiwan und China noch vier eng verwandte Arten dieser Gattung.

Im Jahre 1827 brachte der schottische Gärtner und Pflanzenjäger David Douglas erstmals Samen der Douglasie nach Europa. Zunächst wurde der neue Baum nur in Parks und in Botanischen Gärten gepflanzt, doch ab 1880 unternahm auch die Forstwirtschaft Anbauversuche mit Douglasien. Eine der ersten Vergleichspflanzungen mit Douglasien unterschiedlicher Herkunft entstand dann im Jahr 1912 im nördlichen Pfälzerwald, in der Nähe von Kaiserslautern. Der Forstwissenschaftler Ernst Münch (1876-1946) ließ hier zehn unterschiedliche Douglasienherkünfte zusammen mit Fichten, Tannen und Weymouths-Kiefern pflanzen. Bei den zehn Douglasienherkünften handelte es sich überwiegend um Inlandsformen, nur eine einzige Küstenherkunft aus der Nähe von Seattle im Bundesstaat Washington, war darunter. Bereits nach wenigen Jahren zeigte sich, dass diese Küsten-Douglasie in unserem Klima den anderen Douglasienherkünften und den Vergleichsbaumarten deutlich überlegen war. Mehrere Inland-Douglasien starben durch Pilzbefall sukzessive ab.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse, die sich an weiteren Versuchspflanzungen bestätigten, wurde die Küstenform der Douglasie in Deutschland in zunehmendem Maße waldbaulich verwendet. Sie hat heute einen Anteil von etwa 2 % an den Waldflächen in Deutschland. In Rheinland-Pfalz beträgt ihr Anteil sogar 7 % und ist damit der höchste im gesamten Bundesgebiet. In Zukunft wird sich ihr Anteil wahrscheinlich noch weiter erhöhen, denn Modellrechnungen zeigen, dass die Douglasie mit den Auswirkungen des Klimawandels sehr viel besser zurechtkommen wird als beispielsweise die Fichte. Aus ökologischer Sicht ist das allerdings nicht unproblematisch. Die Douglasie ist auch bei uns in der Lage, sich durch Aussaat selbst auszubreiten. Gefahren bestehen vor allem für nährstoffarme, bodensaure, trockene Waldstandorte und für normalerweise waldfreie Felsstandorte. Hier kann die Douglasie natürliche Pflanzengesellschaften verdrängen. Das Bundesamt für Naturschutz empfiehlt daher grundsätzlich, Douglasien in Gebieten, die vorrangig dem Naturschutz dienen, nicht anzupflanzen. Welches Potential in der Küsten-Douglasie steckt, zeigen die höchsten Bäume in Deutschland. Es sind allesamt Douglasien, die inzwischen Höhen von mehr als 63 m erreicht haben. Die Douglasie ist ganz offensichtlicht schon Teil unseres Waldkulturerbes geworden. Sie wird unser Walderlebnis in Zukunft stark mitbestimmen.

 

Systematik: Kieferngewächse (Pinaceae)
Heimat: Westliches Nordamerika
Standort: Vier Exemplare im Arboretum (Feld 10, Feld 11 und in der Gymnospermenabteilung)

 

Literatur
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (2009). Waldbericht der Bundesregierung 2009.
Dong, P.H. & W. Eder (2005). Wachstum der Douglasie in Rheinland-Pfalz. Mitteilungen aus der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz 55/05: 9-36.
Hermann, R.K. (1999). Pseudotsuga menziesii (Mirb.) Franco. Enzyklopädie der Holzgewächse 15. Erg.Lfg. 3/99: 1-18.
Höltermann, A., F. Klingenstein & A. Ssymank (2008). Naturschutzfachliche Bewertung der Douglasie aus Sicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). LWF Wissen 59: 74-81.
Stängle, S.M., A.C. Vasconcelos, U. Matthes & W. Konold (2010). Zur Einschätzung der Eignung von Hauptbaumarten im Pfälzerwald im Klimawandel – ein methodischer Ansatz. Forst und Holz 65 (7/8): 28-33.

 

Text und Fotos: Dr. Ralf Omlor | 17.03.2011

Die etwa 60 jährige Douglasie
ist einer der höchsten Bäume im
Botanischen Garten Mainz.

Die Nadeln der Douglasie haben
im Unterschied zu den Tannen
keinen scheibenförmigen Sockel;
zerrieben duften sie nach Orangen.

An älteren Stämmen bildet sich
eine dicke, korkige Borke.

  

 

 


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