Krähenfuß-Laugenblume

Cotula coronopifolia L.

Manche Pflanzen sind offenbar neugieriger als andere. Die wollen was erleben, was sehen von der Welt und nicht immer bloß an der gleichen Stelle wachsen. Bei der erstbesten Gelegenheit machen sie sich auf den Weg und besiedeln neue Gebiete. Manche benehmen sich schlecht, wenn sie erst mal weit genug von zu Hause weg sind, werden lästig und verdrängen andere Pflanzen. Heute werden sie dann prompt als invasive Arten eingestuft, kritisch überwacht und bei Bedarf bekämpft. Aber nicht alle sind so. Es gibt auch neugierige Pflanzen, die verhalten sich unauffällig, bleiben eine Zeit lang und verschwinden dann wieder. Oder sie fügen sich in bestehende Ökosysteme ein und werden heimisch. So eine Pflanze ist die Krähenfuß-Laugenblume (Cotula coronopifolia). Sie hat sich mittlerweile schon die halbe Welt angeschaut und fühlt sich auch bei uns recht wohl.

Die Laugenblume gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist relativ klein, meist kaum größer als 20 cm, sehr frostempfindlich und wächst bevorzugt als Pionier auf nährstoffreichen, offenen Stellen in Salzwiesen, an Flussmündungen, zum Teil aber auch im Binnenland auf zeitweise überfluteten Flächen. Stängel und Blätter sind meist etwas fleischig. Charakteristisch ist zudem der becherförmige, stängelumfassende Blattgrund. Die gelben, leicht gewölbten Blütenköpfe stehen einzeln an langen Stielen und tragen ausschließlich Röhrenblüten, deren Blütenkrone vierzipfelig ist. Bei den allermeisten Korbblütlern sind die Röhrenblüten fünfzipfelig. Anhand dieser Merkmale ist die Laugenblume leicht zu erkennen und bei uns mit keiner anderen Pflanzenart zu verwechseln. Die Chancen, ihr in der Natur zu begegnen, sind aber gering, denn sie kommt in Deutschland nur noch an wenigen Stellen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen vor. Zeitweise war sie in Norddeutschland weit verbreitet, heute ist sie jedoch in den Roten Listen als gefährdeter Neophyt eingestuft.

Die ursprüngliche Heimat der Krähenfuß-Laugenblume ist sehr wahrscheinlich die Kapregion Südafrikas. Sie kommt heute aber auch in einigen Mittelmeerländern und in Westeuropa entlang der Atlantikküste bis nach Norwegen vor. Ebenso in Teilen Südamerikas, in Nordamerika entlang der Pazifikküste bis nach Alaska, sowie in der Südhälfte Australiens und in Neuseeland. In Kalifornien und in Teilen Australiens ist sie als problematisch eingestuft, sonst scheint ihr Auftreten keine negativen Folgen für heimische Arten zu haben.

In Europa wurde die Laugenblume erstmals im Jahre 1793 als neue Pflanzenart in der Nähe von Emden bemerkt. Schon 1687 war sie im Pflanzenverzeichnis des Botanischen Gartens der Universität Leiden aufgelistet und trug den Vermerk „aus Samen vom Kap der Guten Hoffnung gezogen“. Nach Emden kamen ihre Samen vermutlich unbemerkt mit einer Schiffsfracht, von wo auch immer. Zu Beginn des 19. Jh. breitete sich die Laugenblume in Norddeutschland stark aus und bildete zum Teil große Bestände. Sie besiedelte entlang der Flüsse vor allem Wiesen, die von Gänsen beweidet wurden und noch vom Brackwasser beeinflusst waren. Wildgänse und Enten trugen möglichweise zur weiteren Ausbreitung der Pflanze bei, aber die Samen sind auch schwimmfähig und können entlang der Flussläufe verdriftet werden. Heute gibt es solche Gänseweiden kaum noch, und entsprechend ist das Vorkommen der Laugenblume wieder stark zurückgegangen.

Im Botanischen Garten wird die Krähenfuß-Laugenblume in einem der Wasserbecken der Biologischen Abteilung kultiviert. Der Wasserstand ist sehr niedrig, und die Pflanze wächst auf einer kleinen Erhebung in der Mitte des Beckens. Salzwasser ist nicht erforderlich. Während die Laugenblume in Südafrika und in anderen warmen Regionen mehrjährig ist, stirbt sie bei uns im Herbst nach dem ersten Frost ab, keimt aber jedes Jahr zuverlässig aus den Samen, die im Wasserbecken überwintert haben. Wir ernten zwar sicherheitshalber auch immer einige Samen, aber eine Neuanzucht ist so gut wie nie erforderlich. Die Neugier der Laugenblume auf die Entwicklung des Botanischen Gartens scheint also noch nicht erschöpft zu sein. Wollen wir hoffen, dass es noch lange so bleibt.

Systematik:   Korbblütler (Asteraceae)
Heimat:   ursprünglich wohl nur Südafrika, heute aber sehr weit verbreitet
Standort:   Biologische Abteilung, Wasserbecken (rechte Hälfte)

Eine weitere südafrikanische Laugenblume (Cotula turbinata) wird in der Systematischen Abteilung des Botanischen Gartens (Beet-37a) gezeigt.

Literatur
Buchenau, F. (1862). Cotula coronopifolia L . Ein Beitrag zur Naturgeschichte der einheimischen Gewächse. Botanische Zeitung 20(4): 17-19, 25-30.
Cost, J.C., C. Neto, P. Arsénio, J. Capelo (2009). Geographic variation among Iberian communities of the exotic halophyte Cotula coronopifolia. Botanica Helvetica 119: 53-61.
Hegi, G. (1987). Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Band VI/4: 622-626. 2. Auflage. Parey – Berlin, Hamburg.
Van der Toorn, J. (1980). On the ecology of Cotula coronopifolia L. and Ranunculus sceleratus L. I. Geographic distribution, habitat, and field observations. Acta Bot. Neerlandica 29 (5/6): 385-396.

Links
Liste invasiver Pflanzenarten der European Plant Protection Organisation (EPPO)
Cotula coronopifolia Steckbrief des Alaska Natural Heritage Program  

Text und Fotos: Dr. Ralf Omlor | 04.07.2013