60 Jahre Botanischer Garten

1. Das Konzept der Ausstellung

Die Ausstellung „Pflanzen - Forschen - Erhalten – 60 Jahre Botanischer Garten Mainz“ (2007) zeichnet die Entstehungsgeschichte des Botanischen Gartens der Johannes Gutenberg-Universität in den Jahren 1946 bis 1957 nach. Dieser spannende Abschnitt der Gartengeschichte konnte durch Recherchen in den Archiven der Universität und durch Befragungen von Zeitzeugen rekonstruiert werden. Durch die Beschreibung der Aufbaujahre wird die räumliche und thematische Gliederung des Gartens, wie sie bis heute in weiten Teilen besteht, verständlich.

Die Ausstellung verharrt aber nicht auf dem Rückblick. Sie widmet sich auch der im Jahr 2005 begonnenen Umgestaltung des Botanischen Gartens und den damit verbundenen Zielen. Und sie gibt einen Ausblick auf künftige Projekte, deren Realisierung durch die Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit ermöglicht werden kann.

Fast gänzlich ausgespart bleibt dagegen die Zeit zwischen 1957 und 2005. Eine vollständige Darstellung der Gartengeschichte ginge über die Möglichkeiten der aktuellen Ausstellung hinaus.

2. Die Geschichte Botanischer Gärten

Umfriedete Gärten für Nahrungs- und Zierpflanzen, aber auch Gärten als Ort der Entspannung oder Zeichen der Macht, kennt man aus fast allen Kulturen der Menschheit. Dagegen sind Botanische Gärten, die vorwiegend dem Studium der Pflanzen dienen, eine relativ junge Erscheinung. Ihre Geschichte beginnt Mitte des 16. Jahrhunderts an den aufstrebenden Universitäten Italiens (1543 Pisa, 1545 Padua, 1545 Florenz). In Deutschland wurden die ersten Botanischen Gärten in Leipzig (1580), Jena (1586), Heidelberg (1593) und Gießen (1609) angelegt.

Botanische Gärten wurden zunächst als „Hortus medicus“ bezeichnet und dienten der Ausbildung von Medizinern und Apothekern. In Anlehnung an die mittelalterlichen Klostergärten beherbergten sie die damals bekannten Heil-, Gewürz- und Giftpflanzen. Mit der fortschreitenden Entdeckung immer neuer Pflanzenarten aus allen Regionen der Erde wurden die Botanischen Gärten sehr viel reichhaltiger. Sie wurden zu Zentren für die Einführung neuer Zierpflanzen und zur Drehscheibe für den weltweiten Austausch tropischer Nutzpflanzen. In ihrer formalen Gestaltung wandelten sich die Gärten von den streng geometrischen Beetanlagen der Renaissance über ornamental gestaltete Barockgärten bis hin zu den Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts.

 

 

Botanischer Garten Padua, 1591 (links) und Botanischer Garten Leiden, 1601 (rechts)

3. Botanische Gärten der alten Mainzer Universität

Botanische Gärten gehören spätestens seit dem 18. Jahrhundert zu festen Bestandteilen der Universitäten. Es ist daher zu erwarten, dass auch an der alten Mainzer Universität, die 1477 gegründet und Ende des 18. Jahrhunderts erloschen war, eine derartige Einrichtung existierte. Und tatsächlich gibt es im Stadtarchiv Mainz einen Plan, der einen großen Botanischen Garten mit Treibhaus, Gärtnerwohnung, Wasserbecken und zahlreichen Beeten zeigt.

Der Plan stammt von dem Zeichner und Gartenarchitekten Peter J. Stoll, ist aber nicht datiert. Wahrscheinlich entstand er um 1784. Der dargestellte Garten liegt zwischen der Hinteren Bleiche und der ehemaligen Felicitas-Bastion der Festungsanlagen. Er erstreckt sich von der Heidelbergerfassgasse bis zum Schlossplatz. Offenbar handelt es sich bei diesem Plan aber nur um einen Entwurf. Es gibt keinen Stadtplan, in dem dieser Garten verzeichnet ist.

Für den Botanikunterricht wurden Mitte des 18. Jahrhunderts zunächst Teile des kurfürstlichen Schlossgartens genutzt. Da dies keine ideale Lösung war, wurde nach Wegen zur Gründung eines Botanischen Gartens gesucht. Realisiert wurde schließlich nur ein sehr einfacher Garten ohne Gewächshäuser, der außerhalb der Befestigungsanlagen im so genannten Gartenfeld lag. Auf einem Plan aus dem Jahr 1791 ist dieser „Botanische Garten“, über den nichts weiter bekannt ist, in der Nachbarschaft des kurfürstlichen Hofgartens zu sehen. Heute befindet sich an dieser Stelle der Frauenlobplatz.

 

Das Gartenfeld vor den Mainzer Befestigungswällen
im Jahre 1791. Botanischer Garten grün, darunter der
kurfürstliche Hofgarten (Quelle: Stadtarchiv Mainz).

4. Die Entscheidung zur Gründung

Die Johannes Gutenberg-Universität wurde am 22. Mai 1946 eröffnet. Ihre Gründung war auf Veranlassung der französischen Militärverwaltung erfolgt, die damit die Tradition der alten Mainzer Universität wieder belebte. Da in der kriegszerstörten Stadt keine geeigneten Gebäude zur Verfügung standen, wurde die Universität in der leer stehenden Flakkaserne im Westen von Mainz angesiedelt.

Die Verhältnisse an der neu gegründeten Universität waren in den ersten Jahren sehr schwierig. Verwaltungsgremien und klare Statuten existierten noch nicht. Viele wichtige Entscheidungen wurden in persönlichen Gesprächen mit dem Gründungsrektor Josef Schmid getroffen und sind kaum dokumentiert worden. Das gilt auch für die Geburtsstunde des Botanischen Gartens. Es gibt keinen offiziellen Beschluss der Universitätsleitung oder des Wissenschaftsministeriums über die Gründung des Gartens, wie man das in heutiger Zeit erwarten dürfte. Auch keinen Pressebericht über den Beginn der Bauarbeiten.

Die Entscheidung, dass die Johannes Gutenberg-Universität wie alle Universitäten in Deutschland einen Botanischen Garten erhalten sollte, fiel offenbar in den Berufungsgesprächen, die Josef Schmid zwischen Februar und April 1946 mit dem Botaniker Wilhelm Troll führte. Am 15. Mai 1946 erhielt Troll mit seiner Berufungsurkunde den Auftrag zur Gründung des Botanischen Gartens.

 

Universitätsgelände Mai 1947, Blick nach Westen

(Quelle: Stadtarchiv Mainz).

5. Willhelm Troll, der Gründer

 Wilhelm Troll hatte im Februar 1946 von der bevorstehenden Gründung der Johannes Gutenberg-Universität erfahren und sich auf den Lehrstuhl für Botanik beworben. Er war zu diesem Zeitpunkt 48 Jahre alt und war einer der renommiertesten Botaniker Deutschlands. Vor allem seine dreibändige „Vergleichende Morphologie der höheren Pflanzen“, die zwischen 1937 und 1943 erschienen war, begründete seinen Ruf als führender Morpholog


Troll hatte in München Naturwissenschaften mit dem Hauptfach Botanik studiert. Nach der Habilitation und der Teilnahme an einer Expedition zu den Sunda-Inseln erhielt er 1932 eine Berufung an die Universität Halle. Dort leitete er bis 1945 das Botanische Institut und den Botanischen Garten. Nach Kriegsende wurde Troll im Juni 1945 durch die amerikanische Militärverwaltung mit dem „Abderhalden-Transport“ von Halle nach Darmstadt deportiert. Seine Bemühungen, nach Halle zurückzukehren, scheiterten. Im Dezember 1945 zog er nach Kirchheimbolanden und übernahm die Leitung der dortigen Oberschule. Wenig später wurde er als einer der ersten Professoren an die Johannes Gutenberg-Universität berufen und zum ersten Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät ernannt.

Das Hauptinteresse Wilhelm Trolls galt dem Ordnenden und Verbindenden in der Formenvielfalt der Pflanzen. Neben seiner Bibliothek war der Botanische Garten die wichtigste Grundlage seiner Arbeit. Der Garten war das lebende Archiv, aus dem er täglich seine Forschungsobjekte auswählen konnte.

 

Wilhelm Troll (1897-1978)
1919-1921 | Studium in München, Dissertation
1921-1923 | Staatsexamen
1925 | Habilitation
1928-1930 | Sundaexpedition
1932-1945 | Professur in Halle, Leitung des Botanischen Gartens
1945 | Deportation nach Darmstadt
1946 | Berufung an die Universität Mainz, Aufbau des Gartens
1953 | Ablehnung eines Rufsnach Berlin
1966 | Emeritierung

6. Max Top, der erste technische Leiter

Um den Aufbau des Garten in Angriff nehmen zu können, brauchte Wilhelm Troll einen zuverlässigen Gartenleiter. Seine Wahl fiel auf Max Top, der bereits in Halle unter Trolls Direktion den Botanischen Garten von 1937 bis 1945 geleitet hatte und ebenfalls von Halle nach Darmstadt deportiert worden war. Max Top nahm am 1. Oktober 1946 seinen Dienst an der Universität Mainz auf und wurde der erste Technische Leiter des Botanischen Gartens. Seiner langjährigen Berufserfahrung und seinem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass die Gründung des Botanischen Gartens trotz aller Schwierigkeiten gelang.

Bis Mitte der 1950er Jahre gab es kein Verwaltungsbüro für den Botanischen Garten. Max Top bewohnte mit seiner Frau eine kleine Dienstwohnung in einem Flachbau, der den Gewächshausbereich des Gartens im Osten begrenzt. Diese Wohnung war das Büro und die Samenstube des Botanischen Gartens. Alle Besprechungen und der Empfang von Gartenbesuchern erfolgten in dieser Wohnung. In großen Schubladenschränken lagerte Top sämtliche Samenproben des Gartens. Und vom Fenster des Wohnzimmers konnte er die Aufbauarbeiten im Botanischen Garten beobachten.

Max Top führte von 1950 bis 1957 ein Diensttagebuch, in das er neben Wetternotizen, Urlaubs- und Krankmeldungen auch die wichtigsten Arbeiten des jeweiligen Tages eintrug. Diese schwer lesbaren und teilweise kryptischen Notizen sind eine wertvolle Quelle für die Datierung wichtiger Ereignisse der Aufbauphase.

Max Top (1895-1986)
1909-1912 | Gärtnerlehre in Bautzen
1913-1926 | Gärtner im Botanischen Garten in Dresden
1926-1937 | Gartenmeister, Botanischer Garten Liegnitz
1937-1945 | Oberinspektor am Botanischen Garten Halle
1945-1960 | Technischer Leiter des Botansichen Gartens in Mainz

Diensttagebuch von Max Top
18.4.1950 - Dienstag. | “Im Bot. Garten div. Sachen, Herbst- wie Frühjahrsaussaaten ausgepflanzt. [unleserlich] Zwiebelsachen. Hof-Wege gebaut. Kaninchendraht eingegraben. Rajolt [rigolt] unter Platanen. Fuhrmann fährt Erde u. Schlacken für Hof. Zum Wasserleitungsanschluss Bot. Garten aufgegraben. In System eingesät. Gehölze u. Stauden auf Freilandbeete pikiert. Weiter in Töpfe ausgesät. Schattierung für großes Haus u. [unleserlich] zusammen genagelt. Am Drahtzaun für Kletterpflanzen Graben ausgehoben.”

7. Grundstückstausch

Nachdem der Entschluss zur Gründung eines Botanischen Gartens gefallen war, musste ein passendes Gelände gefunden werden. Im Süden grenzten Felder an das Universitätsgelände, die den Mainzer Kirchengemeinden St. Peter und St. Emmeran gehörten. Offenbar wandte sich Wilhelm Troll im Herbst 1946 an die Universitätsleitung und bat, dieses Gelände für die Gründung des Gartens zu erwerben.

Im November 1946 schrieb Fritz Eichholz, der erste Kanzler der Universität, an das Bischöfliche Ordinariat. Er schlug einen Tausch des Kirchengeländes mit Grundstücken des Universitätsfonds vor, dessen Besitzungen noch auf die alte Mainzer Universität zurückgehen. Im Februar 1947 teilte das Bischöfliche Ordinariat der Universität mit, dass keine Einwände gegen einen Grundstückstausch bestehen. Danach kam die Angelegenheit ins Stocken. Erst im September 1948 machte Eichholz ein konkretes Angebot, das den Kirchengemeinden im Tausch gegen ihre Flächen ein gleichwertiges Grundstück etwas weiter im Westen in Aussicht stellte. Doch der Kirchenvorstand lehnte dieses Angebot zunächst ab.

Im Dezember 1948 einigte man sich schließlich. Wegen Unklarheiten im Grundbuch verzögerte sich die notarielle Beurkundung des Tauschvertrages aber bis zum 21. Dezember 1949. Somit stand das Gelände erst im Frühjahr 1950 für die Anlage des Botanischen Gartens zur Verfügung.

 

Universitätsgelände 1947, Grundstücke der Kirchengemeinden grün. (Quelle: Stadtarchiv Mainz).

8. Temporäre Gartenbereiche

Da sich der Grundstückstausch so lange verzögert hatte, mussten von 1946 bis 1950 Flächen auf dem Campus für die Unterbringung der Pflanzen genutzt werden. Die Möglichkeiten hierzu waren aber begrenzt, denn beim Bau der Kaserne im Jahr 1938 war der Oberboden abgetragen und für die Anlage des Flughafens nach Finthen gebracht worden.

Am günstigsten waren die Bedingungen offenbar auf einem Streifen entlang der heutigen Saarstraße, wo sich bereits einige Kleingärten befanden. Dort wurde wahrscheinlich ab dem Herbst 1946 auf einer Fläche von 30 x 45 m das erste Pflanzensystem des Botanischen Gartens angelegt. Die Pflanzpläne dieser nach Familien und Gattungen gegliederten Anlage sind noch erhalten. Sie lassen bereits eine große Artenvielfalt erkennen.


Zwei weitere Flächen, die der Botanische Garten nur in seinen Anfangsjahren genutzt hat, befanden sich neben der alten Mensa. Aber auch alle anderen Flächen im Bereich des Universitätsgeländes wurden von den Mitarbeitern des Botanischen Gartens bepflanzt und gepflegt. In den ersten Jahren allerdings meist mit Kartoffeln und Bohnen, um die kritische Ernährungssituation zu verbessern.

Von etwa 1950 bis 1961 unterhielt der Botanische Garten eine große Baumschule auf dem Universitätsgelände. Hier wurden überzählige Bäume aufgeschult, für die im Arboretum kein Platz mehr war. Sie sollten später für die Begrünung des Campus genutzt werden. Mit dem Bau des Philosophicums musste die Baumschule aufgegeben werden.

 

Die Baumschule des Botanischen Gartens vor dem
Studentenwohnheim “Mainzer Kolleg”, 1961.

9. Biologische Abteilung

Schon in den ersten Jahren gelang es neben den temporären Gartenteilen auch einige dauerhafte Bereiche des Botanischen Gartens auf den Weg zu bringen. Dazu zählt die Biologische Abteilung, die sich in einem nach Süden offenen Hof zwischen den ehemaligen Kasernengebäuden befindet. Im rechten Gebäudeflügel befand sich das Botanische Institut. Es lag also nahe, den Hof als Gartenbereich zu nutzen.

Als die Universität 1946 ihren Betrieb aufnahm, war der Hof noch mit einer Betondecke versiegelt. Ihre Entfernung erfolgte in mühevoller Handarbeit durch die Mitarbeiter des Gartens und durch die Studierenden, die in den Anfangsjahren zu Arbeitsdiensten verpflichtet waren. Im Winter 1947/1948 wurden die Wasserbecken im vorderen Teil der Biologischen Abteilung gebaut. Sie wurden bald danach bepflanzt und häufig für Demonstrationen im Rahmen der Lehrveranstaltungen genutzt.

Der weitere Ausbau der Biologischen Abteilung ging nur langsam voran. Die Gartenerde für die Beete wurde über mehrere Jahre mühsam zusammengetragen und zum Teil mit dem Pferdefuhrwerk von Baustellen in Bretzenheim geholt. Die markante Pergola wurde im März 1954 gebaut. Wilhelm Troll hatte einen Ruf an die Universität Berlin erhalten, den er im Dezember 1953 ablehnte. Bei seinen Bleibeverhandlungen wurden ihm die Gelder für den Bau der Pergola zugesprochen. Die Pergola beherbergt eine große Sammlung von Kletterpflanzen. Im hinteren Teil der Biologischen Abteilung werden Arznei- und Giftpflanzen gezeigt.

 

Lehrveranstaltung in der Biologischen Abteilung, um 1950.

 

10. Erste Gewächshäuser

Der Gewächshausbereich ist die eigentliche Keimzelle des Botanischen Gartens. Dieser Bereich hatte zum Kasernengelände gehört und stand somit von Anfang an zur Verfügung. Auch der winkelförmige Flachbau auf diesem Gelände stammt aus der Zeit der Kaserne. In den Anfangsjahren waren in diesem Gebäude das Universitätsbauamt, das Gästeprofessorenhaus und drei Dienstwohnungen untergebracht. Eine davon bewohnten Max Top und seine Frau. Aus dieser Wohnung, die Max Top auch als „Verwaltungsbüro“ nutzte, wurde der Aufbau des Botanischen Gartens gesteuert.

Auf der Westseite des Gebäudes ließ Max Top die ersten tiefen Kästen für die Überwinterung empfindlicher Pflanzen anlegen. Das erste Gewächshaus konnte erst im Sommer 1948 errichtet werden. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die wenigen Gewächshauspflanzen des Botanischen Gartens in der Laubenheimer Gärtnerei Habermann untergebracht. Das erste Gewächshaus hatte zunächst eine eigene Heizungsanlage. 1950 stürzte bei einem Orkan der Kamin der Heizung ein und beschädigte das Gewächshaus schwer. Danach wurde es an die zentrale Dampfheizung der Universität angeschlossen.

Der weitere Aufbau der Gewächshausanlage ging nur langsam voran. Im Jahr 1951 konnte ein gebrauchtes Doppelgewächshaus von einer Gärtnerei in Heidesheim erworben werden. Max Top ließ es von seinen Mitarbeitern abbauen und im Botanischen Garten wieder aufbauen. Im Jahr 1952 wurde das erste Kalthaus zur Überwinterung von Kübelpflanzen gebaut. Alle Gewächshäuser aus den Anfangsjahren sind heute noch in Betrieb.

 

Das erste Gewächshaus, 1950.

11. Alpinum und Steppe

Das Alpinum befindet sich an der Einfahrt Albert-Schweitzer-Straße und bildet ein herrliches Entree zum Campus der Universität. Als das Alpinum im Jahre 1950 angelegt wurde, war das „Bretzenheimer Tor“ noch keine Einfahrt und die Albert-Schweitzer-Straße war noch nicht ausgebaut. An der Stelle des Alpinums befand sich eine Brachfläche mit einem großen Erdwall.

Grundlage für die Entscheidung, an dieser Stelle einen Steingarten für Gebirgspflanzen (Alpinum) zu errichten, war der Ausbau des Universitätsheizwerkes. Es befand sich direkt gegenüber, unter dem alten Kasernenkomplex. Um das Heizwerk zu vergrößern, wurde das Gebäude in die Tiefe erweitert. Der dabei entstehende Aushub bestand zum großen Teil aus Kalkgestein (Hydrobienkalk). Er wurde mit Förderbändern über die Straße transportiert und zu einem 6 m hohen Hügel aufgeschüttet. Es dauerte zwei Jahre bis aus diesem Hügel das Alpinum geformt war. In den Jahren 1964 und 1965 wurde das Alpinum noch einmal überarbeitet und das heutige Wegesystem angelegt.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Bentzel-Weges entstand um 1950 die erste Steppenanlage des Botanischen Gartens. Hier wurden neben asiatischen Steppenpflanzen auch schon die Pflanzen des „Mainzer Sandes“ angepflanzt. Heute befinden sich an dieser Stelle wärme- und lichtbedürftige Sträucher, für die es im Aboretum zu schattig ist.

 

Blick auf das neu angelegte Alpinum, 1954.

12. System und Arboretum

Als im Frühjahr 1950 der Grundstückstausch mit den Kirchengemeinden abgeschlossen war, konnte die Entwicklung des heutigen Freilandgeländes beginnen. Zunächst wurden Wasserleitungen installiert, dann wurden die ersten Wege angelegt. Das alles erfolgte in Eigenleistung durch die Mitarbeiter des Botanischen Gartens.

Im Zentrum des Freigeländes entstand ein riesiges System, in dem die Blütenpflanzen nach Verwandtschaft geordnet waren. Dieses neue System war wohl eines der größten und artenreichsten, die jemals in Botanischen Gärten angelegt worden sind. Es bestand aus vier Teilfeldern und umfasste rund 3.500 Pflanzstellen. Die vier großen Teilfelder waren von Hecken umschlossen, die in den Anfangsjahren als Windschutz erforderlich waren. Sie waren aber auch ein gestalterisches Element, das an die Form der frühen Botanischen Gärten anknüpfte. Bis in die jüngste Zeit war diese Beetanlage das dominierende Element in der Mitte des Gartens und spiegelte die starke wissenschaftliche Ausrichtung des Mainzer Botanischen Gartens wider.

Im Anschluss an das System wurde ab 1950 ein geographisch gegliederter Bereich für Bäume und Sträucher angelegt. Dieses Aboretum konnte sich bis heute ohne größere Störungen entwickeln. Es zählt aufgrund seiner vielen Besonderheiten, die nur im milden Weinbauklima gedeihen, seit vielen Jahren zu den Schwerpunkten des Mainzer Gartens.

 

Blick auf das System mit seinen vier großen Teilfeldern,
die lange von hohen Hecken umgeben waren, 1982.

Luftaufnahme des Universitätsgeländes, 1956.

13. Ausbau der Gewächshäuser

Von 1948 bis 1952 hatte der Botanische Garten vier einfache, zum Teil gebrauchte Gewächshäuser erhalten. Sie standen in einer Reihe nebeneinander, waren aber nicht untereinander verbunden. Vor allen in der kalten Jahreszeit war dies ein Problem für die Gärtnerinnen und Gärtner.

Die Situation verbesserte sich, nachdem Wilhelm Troll 1953 einen Ruf an die Universität Berlin erhalten hatte. Bei seinen Bleibeverhandlungen erhielt er auch die Mittel für den Bau des 30 m langen und 5 m hohen Verbindungsgewächshauses. Es wurde im Juni 1954 errichtet und ist bis heute das größte Gewächshaus des Botanischen Gartens. Im Zuge dieser Baumaßnahme wurden auch die Überwinterungskästen auf der linken Seite des Verbinders zu kleinen Gewächshäusern ausgebaut. In den folgenden Jahren kamen noch das Sukkulentenhaus (1955) und das erste Nutzpflanzenhaus (1957) hinzu.

Eine Schaugewächshausanlage, wie sie für fast alle Botanischen Gärten typisch ist, konnte in Mainz nicht realisiert werden. Wilhelm Troll hatte sie entlang des Bentzel-Weges gegenüber der Biologischen Abteilung vorgesehen. Da die Gewächshäuser nur für die Unterbringung der wissenschaftlichen Sammlungen konzipiert waren, blieben sie für die Öffentlichkeit bis 1993 unzugänglich. Erst danach kam es zu einer Öffnung und in den folgenden Jahren zur Umsetzung eines neuen Bepflanzungskonzeptes. Ein modernes Gewächshaus für Tropenpflanzen ist 1999 hinzugekommen.

 

Bau des Verbindungsgewächshauses im Juni 1954.

14. Erster Lageplan

Der Grundstückstausch mit den Kirchengemeinden hatte die Entwicklung des Botanischen Gartens deutlich vorangebracht. Es klaffte aber noch eine störende Lücke zwischen dem Freilandareal und dem Gewächshausbereich. Der dreieckige Grundstücksstreifen, der beide Bereiche voneinander trennte, war auch nicht unproblematisch. Hier hatte sich eine tiefe Kiesgrube befunden, die in jahrelanger Arbeit von den Mitarbeitern des Gartens mit Bauschutt verfüllt worden war.

Als im Herbst 1954 die Vorbereitungen zur Anlage des Universitätssportgeländes in der Nachbarschaft des Botanischen Gartens begannen, ergriff Wilhelm Troll die Initiative. Die Universität hatte die restlichen Grundstücke zwischen dem Bentzel-Weg und der Albert-Schweitzer-Straße aufgekauft. Der Garten erhielt nun den fehlenden Streifen, um Gewächshäuser und Freiland miteinander zu verbinden. Es wurde aber ein öffentlicher Fußweg vom Bentzel-Weg zum Sportgelände gebaut, der den Botanischen Garten in zwei Teile trennte.

Ende 1956 waren die Arbeiten zur Erschließung des Sportgeländes abgeschlossen, und der neue Geländestreifen war in den Garten integriert worden. Er wird seither als „Gärtnerei“ für die Anzucht von Jungpflanzen und für Kurspflanzen genutzt. Nach zehnjähriger harter Aufbauarbeit war damit die Gründung des Botanischen Gartens vollendet, und Wilhelm Troll konnte im November 1957 seinen Aufbaubericht mit dem ersten Lageplan des Gartens vorlegen.

 

Der erste Lageplan des Gartens, 1957.

15. Bedeutung des Gartens

Als der Entschluss feststand, dass die Johannes Gutenberg-Universität einen Botanischen Garten erhalten sollte, war das keine Sensation. Alle Universitäten in Deutschland unterhielten Botanische Gärten, zum Teil in Jahrhunderte langer Tradition. Die Gärten spielten eine wichtige Rolle für das Studium der Biologie, der Pharmazie und der Medizin. Und sie waren oft repräsentative Orte, die den Universitäten zusätzliche Ausstrahlung verleihen konnten.

In Mainz kam in der Nachkriegszeit noch ein weiterer Aspekt hinzu. Dem Botanischen Garten oblag die Betreuung sämtlicher Grünflächen der Universität einschließlich des Klinikgeländes. Die Mitarbeiter des Gartens beseitigten mit Ihrem Pferdefuhrwerk Stacheldraht und Trümmer der ehemaligen Kaserne, legten Rasenflächen an und pflanzten Bäume und Blumenrabatten. In den ersten Jahren wurden zudem Kartoffeln und Gemüse für die Mensa angebaut.

Daneben stellte der Botanische Garten Dekorationspflanzen für feierliche Veranstaltungen. Dieses Aufgabenfeld sorgte mit dem raschen Ausbau der Universität und der stetig zunehmenden Zahl von Veranstaltungen aber mehrfach für Spannungen. Ab Mitte der 1950er Jahre wurde der Mainzer Botanische Garten durch die Publikationen Wilhelm Trolls und seiner Schüler im In- und Ausland für seinen großen Artenreichtum bekannt. Der Garten war nun auch durch seinen wissenschaftlichen Ertrag zu einem Aushängeschild der Universität geworden.

16. Das Institut für Spezielle Botanik

Von 1946 bis 1963 war der Garten Bestandteil des Botanischen Instituts, das von Wilhelm Troll geleitet wurde. Im Jahr 1963 wurde die Botanik neu gegliedert. Es entstand das Institut für Allgemeine Botanik, dessen Leitung zunächst noch Wilhelm Troll innehatte, und das Institut für Spezielle Botanik und Pharmakognosie. Leiter dieses neu geschaffenen Instituts, zu dem der Botanische Garten gehörte, wurde Hans Weber (1911-2006). Weber hatte 1936 bei Wilhelm Troll in Halle promoviert und war 1946 an die Universität Mainz gekommen.

Unter der Leitung von Hans Weber wurde der Ausbau des Botanischen Gartens fortgesetzt. In den Jahren 1962 bis 1964 wurde das Institutsgebäude für die Spezielle Botanik gebaut. Es war noch von Wilhelm Troll auf den Weg gebracht worden. Im Zuge dieses Bauprojektes erhielt der Botanische Garten endlich auch einen Wirtschafts- und Sozialgebäudetrakt. Im Institutsgebäude waren zudem Dienstwohnungen für den Technischen Leiter (bis 1971) und einen Gartenmeister (bis 1993) integriert worden.

Im Jahr 1972 wurde die Pharmakognosie in den Fachbereich Pharmazie überführt. Seither gibt es das Institut für Spezielle Botanik und Botanischer Garten, dessen jeweiliger Leiter auch Direktor des Gartens ist. Hans Weber leitete den Garten bis 1979. Von 1981 bis 1990 war Stefan Vogel Direktor des Gartens. Auch er ist ein Schüler Wilhelm Trolls. Seit 1991 ist Joachim W. Kadereit Leiter des Instituts für Spezielle Botanik und Direktor des Botanischen Gartens.

17. Erweiterungsgelände

Im Jahr 1983 war es gelungen, den Botanischen Garten noch einmal um ein bedeutendes Stück zu vergrößern. Im Anschluss an das Arboretum hatte der Garten ein 13.500 m2 großes „Erweiterungsgelände“ erhalten. Wichtigster Teil dieses neuen Geländes wurde eine Nachbildung des „Mainzer Sandes“, eines stark gefährdeten, einzigartigen Sand- und Dünengebietes, auf dem sich Relikte der nacheiszeitlichen Steppenvegetation erhalten haben. Mit der viel beachteten Nachbildung der Mainzer Sandflora, die von Ulrich Hecker, dem langjährigen wissenschaftlichen Leiter des Gartens, initiiert und aufgebaut worden war, konnte die Erhaltung bedrohter Pflanzen als neues Aufgabengebiet etabliert werden.

Bereits 1975 hatte Hans Weber, der damalige Direktor, die Gartenerweiterung bei der Universitätsleitung beantragt. Die Zustimmung des Ministeriums kam 1978. Allerdings gab es von Anfang an Interessenskonflikte: Ein Teil des Erweiterungsgeländes war für den Bau einer Straße vorgesehen, die den Verkehr auf dem Campus entlasten sollte. Da der Bau der Straße aber nicht abzusehen war, wurde die Gartenerweiterung 1983 durchgeführt. Die feierliche Eröffnung erfolgte am 10. Juni 1986 im Beisein zahlreicher Ehrengäste.

Als im Jahr 2000 deutlich wurde, dass die Straße durch das Erweiterungsgelände in naher Zukunft gebaut werden könnte, erstellte der Botanischen Garten ein Konzept für die Unterbringung des „Mainzer Sandes“ im Zentrum des Gartengeländes. Nach der Bewilligung dieses Konzeptes wurde das Erweiterungsgelände im Dezember 2004 aufgegeben. Der Bau der Straße erfolgte 2005.

 

Das Erweiterungsgelände mit der Nachbildung
des Mainzer Sandes, August 2000.

18. Umgestaltung System

Um die Nachbildung des „Mainzer Sandes“ vom Erweiterungsgelände ins Zentrum des Gartens verlagern zu können, war es erforderlich, die „Systematische Abteilung“ zu verkleinern. Sie war 1950 angelegt worden und nahm mit ihren vier Teilfeldern die Mitte des Freilandgeländes ein. Die Anordnung der Pflanzen entsprach in weiten Teilen noch dem Forschungsstand der 1940er Jahre. Zudem war die Systematische Abteilung mit ihrem hohen Anteil an ein- und zweijährigen Pflanzen, die jährlich neu angezogen, überprüft und geerntet werden mussten, sehr pflegeintensiv und für Besucher wenig attraktiv.Mit der Umgestaltung wurde die Systematische Abteilung auf die Hälfte ihrer Fläche reduziert und auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand gebracht. Den Beginn des Pflanzensystems markiert nun ein dreieckiges Wasserbecken für Seerosengewächse, die nach heutigem Wissen zum ältesten Zweig der Blütenpflanzen gehören. Mit dem neu konzipierten Pflanzensystem ist der Mainzer Botanische Garten einer der ersten Gärten, in denen die auf DNA-Daten basierenden Erkenntnisse von der Stammesgeschichte der Pflanzen in einer großflächigen Anlage dargestellt sind.


Der Umbau des Pflanzensystems erfolgte fast vollständig in Eigenleistung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Botanischen Gartens. Mit der Pflanzung einer Lindenallee und der Installation einer Beregnungsanlage wurde der Umbau des Systems im Mai 2007 abgeschlossen.

Blick auf den umgestalteten Gartenbereich, März 2007.

19. Kulturlandschaften

Durch die Verkleinerung des Pflanzensystems wurden zwei große Teilflächen frei, die völlig neu gestaltet werden konnten. Zum ersten Mal in der Geschichte des Gartens war an der Planung und Durchführung dieser Umgestaltung ein Landschaftsarchitektenbüro (Bierbaum.Aichele.lanschaftsarchitekten, Mainz) beteiligt. Damit konnten erstmals auch gestalterische Aspekte bei der Entwicklung des Gartens angemessen berücksichtigt werden.

Auf den frei gewordenen Flächen wurde mit der Schaffung eines neuen Themenschwerpunktes „Kultur- und Naturlandschaften von Rheinland-Pfalz“ begonnen. Damit soll der regionale Bezug des Botanischen Gartens gestärkt werden. Die Kulturlandschaften umfassen eine Streuobstwiese sowie Ackerflächen und einen Wingert mit ihren spezifischen Unkrautgesellschaften. Acker und Wingert sind Themen, die bereits auf dem Erweiterungsgelände gezeigt wurden. Sie werden inhaltlich ergänzt und in neuer Form präsentiert. In den kommenden Jahren soll in diesem Bereich noch ein Bauerngarten hinzukommen.

Neu ist die Streuobstwiese, auf der alte Apfel- und Birnensorten gepflanzt wurden. Die Wiese wurde durch die Ausbringung von Schnittgut einer artenreichen Magerwiese aus der Nähe von Worms angelegt. Bis sich das gewünschte Artenspektrum einstellt, werden noch einige Jahre vergehen. Die Streuobstwiese soll für Führungen und für die Bestimmungsübungen der Studierenden genutzt werden.

 

Die Streuobstwiese im Mai 2007.

20. Naturlandschaften

Wichtigster Bestandteil des Bereiches „Naturlandschaften“ ist die Nachbildung des Mainzer Sandes. Die einzigartige „Mainzer Sandflora“ mit ihren Steppenrelikten, die zum Teil in Deutschland an keinem anderen Standort vorkommen, wird seit den 1950er Jahren im Botanischen Garten gezeigt. Zunächst war sie gegenüber dem Alpinum untergebracht, dann auf dem Erweiterungsgelände. Dort wurde sie von den Besuchern allerdings kaum zur Kenntnis genommen. Durch die Umgestaltung ist das Thema Mainzer Sand nun im Zentrum des Freigeländes angesiedelt.

Als Ergänzung zum Mainzer Sand sollen in den nächsten Jahren eine südrussische Federgrassteppe und ein ungarischer Steppenwald angepflanzt werden. Beide Bereiche haben enge Bezüge zur Mainzer Sandflora und können dank des milden und trockenen Klimas in Mainz besser gezeigt werden als in anderen Regionen Deutschlands. Das gleiche gilt für die im Aufbau begriffene Orientsammlung.

Neu geschaffen wurde eine Gesteinsanlage, auf der seltene Pflanzen von trockenen Gesteinshängen und Felskuppen des Nahe- und Mittelrheintales gezeigt werden sollen. Die hierzu benötigten Gesteine – Andesit, Rhyolith und Schiefer – wurden von den Steinbrüchen der BASALT AG in Kirchheimbolanden und Neubamberg und vom Schieferwerk Grube Rhein bei Bacharach zur Verfügung gestellt. Ein kleines Feuchtgebiet für Pflanzen des Laubenheimer Rieds und ein Hügel für die rheinhessischen Vorkommen der Steppenkirsche runden die Naturlandschaften ab.

 

 

Schieferhalde mit Fetthenne (Sedum album)

21. Aufgaben Botanischer Gärten

Botanische Gärten sind Institutionen, die über dokumentierte Sammlungen lebender Pflanzen verfügen und diese für wissenschaftliche Forschung, Arterhaltung und Bildung nutzen und zur Schau stellen (nach WYSE JACKSON 1999). Nach diesen Kriterien gibt es weltweit etwa 1.800 Botanische Gärten, in denen zusammen schätzungsweise 80.000 verschiedene Pflanzenarten kultiviert werden. Das ist fast ein Drittel der pflanzlichen Vielfalt unseres Planeten.

Zu den traditionellen Aufgaben Botanischer Gärten gehört die Erfassung und Beschreibung der pflanzlichen Vielfalt. Dafür unterhalten viele Gärten neben ihren Lebendsammlungen große Herbarien, in denen getrocknete Pflanzen über Jahrhunderte konserviert werden können. In zunehmendem Maße engagieren sich Botanische Gärten aber auch für die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Dies geschieht zum einen direkt durch die Kultur bedrohter Pflanzen („ex-situ“ Erhaltung). Zum anderen tragen die Gärten mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit zur Bewusstseinsbildung über die Bedeutung pflanzlicher Vielfalt bei.

Der Mainzer Botanische Garten nimmt diese Aufgaben ernst. Er versteht sich aber auch als ein Ort der Entspannung und des interdisziplinären Dialoges auf dem Campus der Johannes Gutenberg-Universität. Durch seine Veranstaltungen lockt er jährlich Tausende Besucher und wirkt als wichtige Schnittstelle zwischen der Universität und der Bevölkerung der Region.

 

Kinderführung im Rahmen der “Kinderuniversität”
(Foto: Peter Pulkowski).

 

 

22. Ausblick: Grüne Schule


Durch den Umbau des Freilandgeländes ist der Botanische Garten attraktiver geworden und hat eine größere Themenvielfalt erhalten. Die Zahl der Führungen und das öffentliche Interesse haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Einen wichtigen Beitrag leistet hierbei der 1998 gegründete „Freundeskreis des Botanischen Gartens der Johannes Gutenberg-Universität Mainz e.V.“


In den nächsten Jahren soll vor allem das Angebot an Schulen weiter ausgebaut werden. Dazu plant der Botanische Garten den Bau eines Informationsgebäudes, das auch als „Grüne Schule“ genutzt werden kann. Hierfür liegt inzwischen ein Entwurf des Architektenbüros eckertharms vor. Die Kosten für dieses Projekt betragen 250.000 €. Sie sollen vor allem durch Spenden aufgebracht werden. Parallel dazu setzt sich der Botanische Garten für die Schaffung einer pädagogischen Stelle ein, damit eine nachhaltige Nutzung sichergestellt werden kann.


Die Entwicklung des Botanischen Gartens der Johannes Gutenberg-Universität in den vergangen 60 Jahren ist eine Erfolgsgeschichte. Sie war angesichts der schwierigen Verhältnisse in den Anfangsjahren nicht unbedingt zu erwarten. Dass sie dennoch eingetreten ist, ist dem Engagement vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und vieler Freunde des Gartens zu verdanken.

23. Dank

Die Recherchen zur Gründungsgeschichte des Botanischen Gartens begannen im Dezember 2005. Der ursprüngliche Plan, im Mai 2006 zur 60-Jahrfeier der Johannes Gutenberg-Universität eine kleine Ausstellung zu präsentieren, konnte nicht verwirklicht werden. Das Material war zu umfangreich.

Über die Gründung des Botanischen Gartens lag bisher nur der Aufbaubericht von Wilhelm Troll vor, der 1958 im Jahrbuch der Freunde der Johannes Gutenberg-Universität erschienen ist. Er schildert sehr eindrucksvoll die Schwierigkeiten der Aufbaujahre, geht aber auf einige Umstände nur sehr knapp oder gar nicht ein. Die Gespräche mit den noch lebenden Zeitzeugen und die Arbeit in den Archiven haben viele Details ans Licht gebracht, die zusammen einen recht klaren Blick auf die Geschehnisse ermöglichen.
Für die vielfältige Unterstützung bei der Vorbereitung der Ausstellung möchten wir uns herzlich bedanken.

 

Insbesondere danken wir
- Herrn Dr. Ulrich Hecker, für wertvolle Informationen und die Überlassung von Bildmaterial,
- Herrn Prof. Dr. Wolfgang Hagemann, Herrn Herbert Sperling (†), Herrn Prof. Dr. Klaus Stopp (†), Herrn Dr. Albert K. Theuerjahr, Herrn Prof. Dr. Erhard Thomas, Herrn Prof. Dr. Hans Weber (†), Herrn Prof. Dr. Focko Weberling für ihre Gesprächsbereitschaft und viele aufschlussreiche Informationen,
- Herrn Dr. Jürgen Siggemann (Universitätsarchiv), Herrn Dr. Wolfgang Dobras (Stadtarchiv Mainz), Herrn Dr. H.-J. Braun, (Dom- und Diözesanarchiv Mainz),
- Herrn Prof. Dr. Erich Muscholl für die Transkribierung der Tagebücher Max Tops,
- Frau Marion Menninger, (Fachbereich Biologie, Dekanat) für die Vermittlung wichtiger Kontakte und Auskünfte zu früheren Institutsangehörigen,
- Frau Doris Franke und Frau Linda Klöckner (Institut für Spezielle Botanik) für die Gestaltung der Ausstellungstafeln und Bildbearbeitung und nicht zuletzt
- dem Freundeskreis des Botanischen Gartens für die Finanzierung der Ausstellung.


Dr. Ralf Omlor und Prof. Joachim W. Kadereit PhD, Mai 2007.