Teufelszunge | Stinkende Titanenwurz

Amorphophallus konjac K.Koch

Die Teufelszunge ist ein kleinerer Bruder der Titanenwurz, die als größte Blume der Welt mit ihren seltenen Blühereignissen stets für Schlagzeilen sorgt. Wie ihr großer Bruder wächst auch die Teufelszunge aus einer unterirdischen Knolle, die aber bei dieser Art nur etwa 30 cm groß wird. Aus der Knolle wächst in den ersten Jahren immer nur ein einzelnes Blatt, das in einen aufrechten Stiel und eine horizontale, gelappte Spreite gegliedert ist. Nach einigen Monaten, in denen die Pflanze eine neue unterirdische Knolle aufbaut, stirbt das Blatt wieder ab. Die Knolle macht nun eine Ruhephase. Nach vier bis fünf Monaten beginnt sie wieder auszutreiben und bildet ein neues Blatt, das bei ausgewachsenen Pflanzen bis zu 2 m hoch und breit werden kann. Wenn die Knolle nach einigen Jahren groß genug ist, beginnt der jährliche Rhythmus zunächst mit einem Blütenstand, bevor das neue Blatt entsteht.

Der Blütenstand der Teufelszunge zählt zum Spektakulärsten, was das Pflanzenreich hervorgebracht hat. Schon die abstoßende, braunviolette Färbung des Hüllblattes (Spatha) und des Kolbens (Spadix) deutet darauf hin, dass hier keine vornehmen Bienchen oder zart besaitete Schmetterlinge angelockt werden sollen, sondern handfestere Gesellen. Es sind vor allem Aasfliegen und -käfer, die von der Blume begeistert sind, und sie suchen darin nicht nach Ambrosia. Vielmehr halten sie die Blume für einen verwesenden Tierkadaver und versuchen, ihre Eier darin abzulegen, damit sich fette Maden daraus entwickeln. Da das Auge dieser Insekten nicht das beste ist, produziert der Kolben den passenden Aasgeruch, der noch in einiger Entfernung seine atemberaubende Wirkung erzielt. Bei der Suche nach einer günstigen Stelle für die Eiablage bestäuben die Insekten die kleinen Blüten am Grunde des Kolbens. Die Insekten kommen dabei aber nicht auf ihre Kosten. Wenn es zur Eiablage kommt, verhungern die Larven in der Blume. Die Insekten wurden getäuscht.

Auch für den Menschen ist die Teufelszunge nicht uninteressant. Die Knolle wird in Japan seit Jahrhunderten unter dem Namen konnyaku als Nahrungsmittel genutzt. Aus dieser Bezeichnung ist auch der wissenschaftliche Artname Amorphophallus konjac, unter dem die Pflanze im Jahre 1858 erstmals beschrieben wurde, abgeleitet. Das aus der Knolle gewonnene Mehl enthält als Speicherstoff Glukomannan, ein Polysaccharid, das vom Menschen nicht verdaut werden kann. Die Bedeutung des Stoffes, der auch in der EU als Lebensmittelzusatzstoff E425 zugelassen ist, liegt in dem hohen Quellungsvermögen. Glukomannan dient daher vor allem als Geliermittel, als Ballastzusatzstoff und Verdickungsmittel. In Japan wird es unter anderem bei der Herstellung von Glasnudeln, Desserts, Eiskrem und Getränken verwendet.

 

Systematik: Aronstabgewächse (Araceae)

Heimat: Südostasien, in Japan als Kulturpflanze weit verbreitet

Standort: Gewächshaus 16 (Unterwuchs tropischer Wälder)

 

Text und Fotos: Dr. Ralf Omlor | 26.01.2007