Samthaarige Stinkesche

Tetradium daniellii(Benn.) Hartley

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Samthaarige Stinkesche ist ungeachtet ihres Namens einer der attraktivsten Bäume im Botanischen Garten. Wahrscheinlich zählt er zu jenen Pflanzen, die ganz froh wären, wenn es keine deutschen Pflanzennamen gäbe. Denn als Stinkesche kann man sich schlecht für vornehme Gärten bewerben. Ihr aktueller wissenschaftlicher Name Tetradium bezieht sich auf die meist vierteiligen Früchte der Gattung. Vermutlich wünscht sich der stattliche Baum die noch nicht lange vergangenen Zeiten zurück, als er unter dem botanischen Namen Euodia bekannt war. Denn dieser Gattungsname ist aus dem Griechischen entlehnt und bedeutet Duft oder Aroma. Fairerweise muss man allerdings einräumen, dass unsere Pflanze der Woche nicht Pate stand bei dieser Namensgebung, denn ihre Blätter riechen tatsächlich etwas unangenehm. Beschrieben wurde die Gattung Euodia erstmals von den deutschen Forschungsreisenden Johann Reinhard und Georg Forster, die an James Cooks zweiter Weltumsegelung teilgenommen hatten. Auf den Südseeinseln Tongatapu und Eua hatten sie 1773 einen wunderbar duftenden Strauch kennengelernt, den sie als Euodia hortensis beschrieben.

Die Samthaarige Stinkesche stammt allerdings nicht aus der Südsee sondern aus China und Korea, und sie ist erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Parkbaum nach Europa gekommen. Sie ist bei uns vollständig winterhart und wächst zu einem bis 20 m hohen, oft mehrstämmigen Baum. Ihre Blüten erscheinen erst im Juli und August. Da sie viel Nektar enthalten, ist der Baum als Bienenweide interessant. Meist findet man ihn in Mitteleuropa aber nur in Botanischen Gärten. Seine gefiederten Blätter ähneln einer Esche oder mehr noch einer Walnuss. Am starken Geruch und an der samtigen Behaarung sind sie aber leicht zu erkennen.

Am attraktivsten ist die Stinkesche jetzt im September, wenn die roten Fruchtstände über Wochen die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen. Die männlichen Blüten sind kurz nach der Blüte abgefallen. Was man jetzt sieht, sind die jeweils vier oder fünf sternförmig angeordneten Fruchtblätter der weiblichen Blüten. Sie werden sich in den nächsten Wochen mit einem Längsriss an der Oberseite öffnen und dann je zwei miteinander verbundene, glänzend braune Samen präsentieren. Wenn man genau hinschaut, erkennt man, dass einer der beiden Samen etwas kleiner ist. Er hat eine weiche Samenschale und lässt sich leicht zerdrücken. Der etwas größere Same ist dagegen steinhart. Nur dieser harte Same enthält einen Keimling, aus dem ein neuer Baum heranwachsen kann. Der weiche Same ist dagegen steril. Er dient als Futterkörper und ist die Belohnung für Vögel, die beide Samen fressen und damit die Ausbreitung des Baumes übernehmen. Der harte Same ist unverdaulich und wird mit dem Vogelkot wieder ausgeschieden. So hat die Stinkesche doch noch gute Chancen, in einem vornehmen Garten zu landen.

 

Systematik: Rötegewächse (Rutaceae)

Heimat: China, Korea

Standort: Arboretum Feld 7 (zwei weitere, weniger auffällige Bäume stehen in Feld 8)

 

Text und Fotos: Dr. Ralf Omlor | 19.09.2008