Barbados Stachelbeere

Pereskia aculeata Mill.

Anfang Oktober werden auch im Botanischen Garten die blühenden Pflanzen allmählich seltener. Doch bevor die Herbstfärbung der Bäume und Sträucher in den Mittelpunkt rückt, gibt es noch ein spektakuläres Blühereignis, auf das die Kenner des Gartens Jahr für Jahr warten und das nun wieder begonnen hat: Die Pereskia aculeata am Eingang zum Sukkulentenhaus hat die ersten ihre wohl weit über Tausend Blüten geöffnet. Wer in den nächsten Tagen das Gewächshaus betritt, wird von dem schweren, betörenden Duft der Blüten und dem Summen der vielen Bienen, die sich die späte Nektarquelle nicht entgehen lassen, empfangen.

Der deutsche Name der ungewöhnlichen Pflanze - Barbados-Stachelbeere - ist wie so oft etwas irreführend, denn mit Stachelbeeren hat der bis zu 10 m hohe Kletterstrauch nichts zu tun. Immerhin, die Früchte sind essbar, und auf Barbados kommt die Pflanze tatsächlich vor. Allerdings reicht ihre Heimat von der Karibik bis weit in den Südosten Südamerikas.

Eindrucksvoll ist diese Pflanze aber nicht allein aufgrund ihrer Blütenpracht. Sie gehört, auch wenn man es auf den ersten Blick kaum für möglich halten wird, zur Familie der Kakteen. Die Gattung Pereskia, die neben der Barbados-Stachelbeere noch 16 weitere Arten umfasst, steht ganz am Anfang der Evolution der Kakteen. Pereskien haben voll entwickelte Blätter und bilden noch keinen Wasser speichernden Stamm, wie das sonst für diese Pflanzengruppe typisch ist. Sie zeigen aber bereits die für Kakteen charakteristische Anordnung der Dornen in kleinen Gruppen, die umgewandelten Seitentrieben entsprechen und als Areolen bezeichnet werden. Auch der Aufbau der Blüten stimmt mit den übrigen Kakteen gut überein, die sich in Südamerika aus Pereskia-ähnlichen Vorfahren vor etwa 30 Millionen Jahren in Anpassung an zunehmende Trockenheit entwickelt haben.

 

Systematik: Kakteen (Cactaceae)

Heimat: Karibik, Südamerika

Standort: Sukkulentenhaus (Haus 20)

 

Text und Foto: Dr. Ralf Omlor | 02.10.2006