Wegenamen

Die Wege im Freilandgelände des Botanischen Garten der Johannes Gutenberg-Universität sind nach Botanikern, Gärtnern und Naturforschern benannt. Die Auswahl der geehrten Personen geht zum großen Teil auf die Gründungszeit des Botanischen Gartens in den 1950er Jahren zurück. Es sind vor allem Morphologen, die in der Tradition Johann Wolfgang von Goethes die Gestalt der Pflanzen und die Gesetzmäßigkeiten ihrer Variation untersucht haben. Aber auch dem Gründer des Botanischen Gartens, Wilhelm Troll, und seinem ersten Gartenleiter, dem Gärtner Max Top, sind Wege gewidmet worden.

Wege im Botanischen Garten

Lageplan Botanischer Garten

Alexander Carl Heinrich Braun '1'

Braun Portrait

(* 1805 in Regensburg, † 1877 in Berlin)

Botaniker. Ab 1833 Professor in Karlsruhe, 1846 in Freiburg im Breisgau, 1850 in Gießen. Ab 1851 Professor und Direktor des Botanischen Gartens in Berlin. Hauptvertreter der idealistischen vergleichenden Morphologie der Pflanzen; Blattstellungsverhältnisse; Morphologie der Coniferenzapfen und Blüten; seine mikroskopischen Untersuchungen an Kryptogamen gelten als wichtiger Beitrag zur Entwicklung der Zelltheorie.

Charles Darwin '2'

 Portrait Darwin

(* 1809 in Shrewsbury, † 1882 in Downe)

Naturforscher, Begründer der modernen Evolutionstheorie, bedeutende botanische Forschung. ...

Friedrich Ludwig Emil Diels '3'

(* 1874 in Hamburg, † 1945 in Berlin)

Botaniker und weit gereister Pflanzengeograph. 1893-1896 Studium der Naturwissenschaften in Berlin. Ab 1900 Assistent am Botanischen Museum. Forschungsreise nach Australien und Neuseeland. 1906 Professor für Botanik in Marburg. 1914 Professor für Botanik und ab 1921 auch Direktor des Botanischen Gartens in Berlin-Dahlem. 1933 Forschungsreise nach Ecuador. Nach seinem Tod im November 1945 wurde Ludwig Diels neben Adolf Engler im Botanischen Garten beigesetzt. Besonderes Interesse galt der Flora von China.

August Wilhelm Eichler '4

Portrait Eichler

(* 1839 in Neukirchen, Hessen, † 1887 in Berlin)

Botaniker, bedeutender Systematiker und Morphologe. Studium in Marburg, 1861-1868 Privatassistent von C.F.P. von Martius in München (Flora Brasiliensis, ab 1868 alleiniger Herausgeber). 1871 Berufung als Professor für Botanik und Leiter des Botanischen Gartens an der Universität Graz. 1873 Professor für Botanik und Leiter des Botanischen Gartens an der Universität Kiel. Ab 1878 Professor für Botanik und Direktor des Botanischen Garten von Berlin. Auf Eichler geht die Darstellung der Blütendiagramm zurück.

Stefan Endlicher '5'

Portrait Endlicher

(* 1804 in Preßburg, Bratislava, † 1849 in Wien)

Botaniker und Philologe, Verfasser einer Systematik des gesamten Pflanzenreichs. Zunächst Student der Philosophie und Theologie, später Botanik. 1836 Kustos der Botanischen Abteilung des Hofnaturalienkabinetts. Ab 1840 Professor für Botanik und Direktor des Botanischen Gartens an der Universität Wien. Zusammen mit von Martius Herausgeber der Flora Brasiliensis. Hauptwerk ist Genera plantarum (1836-1840), eine grundlegend neue systematische Gliederung des Pflanzenreiches bis auf Gattungsebene, die Jahrzehnte Bestand hatte.

Heinrich Gustav Adolf Engler '6'

Portrait Engler

(* 1844 in Sagan, Niederschlesien, † 1930 in Berlin)

Botaniker, bedeutender Systematiker und Vegetationsgeograph. 1863 Studium der Naturwissenschaften und Mathematik in Breslau; 1871 Kustos am Botanischen Institut in München; 1878-1884 Professor für Botanik und Direktor des Botanischen Gartens in Kiel; 1884-1889 in Breslau; 1889-1922 Professur für Botanik und Direktor des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums in Berlin. Engler formulierte ein modernes natürliches System der Pflanzen, das in seinen Grundzügen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts Bestand hatte. Er wurde im Botanischen Garten Berlin-Dahlem beigesetzt.

Karl von Goebel '7'

Portrait Goebel

(* 1855 in Billigheim, Baden, † 1932 in München)

Botaniker, bedeutende Beiträge zur Morphologie der Pflanzen, insbesondere der Moose und Farne. Goebel betonte die Abhängigkeit der Form von der Funktion. Studium der Theologie, Philosophie und Botanik in Tübingen und Straßburg. 1883 Professor für Botanik in Rostock, wo er den Botanischen Garten gründete. 1887-1891 in Marburg. 1891-1931 in München, 1914 gründete er den Botanischen Garten in Nymphenburg. Forschungsreisen nach Ceylon, Java, Australien, Neuseeland, Venezuela und Britisch-Guayana.

Johann Wolfgang von Goethe '8'

Goethe Portrait

(* 1749 in Frankfurt am Main, † 1832 in Weimar)

Dichter und Naturforscher. Widmetet sich in der Botanik vor allem der Metamorphose der Pflanze („Urpflanze“). Begründete die Morphologie als die Lehre von der Gestalt der Organismen.

Thilo Irmisch '9'

Irmisch

(* 1816 in Sondershausen, Thüringen, † 1879 in Sondershausen)

Lehrer und Botaniker. Morphologie der einkeimblättrigen Pflanzen; untersuchte insbesondere die Knollen-, Zwiebel- und Wurzelsprossbildung bei Pflanzen. Ab 1836 Studium der Theologie und Naturwissenschaften in Halle (kein Abschluss). Tätigkeit als Hauslehrer, ab 1846 Lehrer am Gymnasium in Sondershausen. 1853 Ehrendoktorwürde der Universität Rostock. Sein Hauptwerk ist die in Gedichtform verfasste Abhandlung Zur Morphologie der monokotylischen Knollen- und Zwiebelgewächse (1850).

Joachim Jungius '10'

Jungius

(* 1587 in Lübeck, † 1657 in Hamburg)

Mathematiker und Arzt. 1609-1614 Professor der Mathematik in Gießen. 1616-1619 Studium der Medizin in Rostock und Padua. 1626-1628 erneut Professor für Mathematik in Rostock. 1629-1640 Rektor am Johanneum in Hamburg. Forderte Induktion und Experiment. Legte in der Botanik die Grundlagen für eine klare Fassung der morphologischen Begriffe. Seine Terminologie wurde später von Linné übernommen und erweitert. Jungius war eine bedeutender Lehrer, hat aber zeitlebens keine botanischen Arbeiten vöffentlicht.

Engelbert Kaempfer '11'

Kämpfer Zeichnung

(* 1651 in Lemgo, † 1716 in Lemgo)

Arzt und Forschungsreisender, Verfasser der ersten Flora von Japan. Ab 1674 Studium der Medizin und Naturgeschichte in Krakau und Königsberg. 1681 als Sekretär der schwedischen Gesandtschaft an den persischen Hof nach Isfaham. Dort 1684 als Arzt in den Dienst der Niederländischen Ostindienkompanie. 1690-1692 Arzt der niederländischen Handelsstation auf der Insel Dejima vor Nagasaki, Japan. 1693 Rückkehr über Amsterdam nach Lemgo, Tätigkeit als Arzt. 1712 erscheint Kaempfers Flora von Japan, die erste Beschreibung der japanischen Pflanzenwelt in Europa. Kaempfers bedeutendstes Werk, die Geschichte und Beschreibung von Japan wird erst posthum veröffentlicht, zunächst 1727 in englischer Übersetzung.

Carl von Linné '12'

(* 1707 in Rashult in Smaland, † 1778 in Uppsala)

Arzt und Botaniker, Begründer der binären Nomenklatur und bedeutendster Systematiker seiner Zeit („Sexualsystem der Pflanzen“). 1732 Reise nach Lappland. Ab 1741 Professor für Medizin und Direktor des Botanischen Gartens der Universität Uppsala, wo er bis zu seinem Lebensende wirkte.

Carl Friedrich Philipp von Martius '13'

(* 1794 in Erlangen, † 1868 in München)

Botaniker. Von 1817 bis 1820 Teilnahme an der Expedition der Bayerischen Akademie der Wissenschaften nach Brasilien; 1826-1854 Professor für Botanik an der Universität München; Direktor des Botanischen Gartens; Begründer der Flora Brasiliensis; Systematik der Palmen.

Alfred Rehder '14'

Portrait Rehder

(* 1863 in Waldenburg, Sachsen; † 1949 in Jamaica Plain, Massachusetts)

Gärtner und Botaniker, Dendrologe, Winterhärte der kultivierten Gehölze in Nordamerika. 1884 Gärtner am Botanischen Garten Berlin, hörte nebenbei Vorlesungen in Botanik. 1886 nach Frankfurt am Main, ein halbes Jahr später an den Park von Muskau. 1888 Wechsel an den Botanischen Garten Darmstadt, ein Jahr später als Obergärtner an den Botanischen Garten Göttingen. Während seiner Zeit in Göttingen Mitarbeiter mehrerer gärtnerischer Fachzeitschriften. 1895 in Erfurt Redakteur bei Möllers Deutscher Gärtnerzeitung. Die Redaktion entsandte ihn 1898 in die USA, wo er Gehölze sowie den Obst- und Weinbau studieren sollte. Rehder bliebt in den USA und war von 1918 bis 1940 Kurator des Arnold-Arboretums. 1934 wurde er zum „Associate Professor of Dendrology“ an der Harvard-Universität ernannt. Rehders Hauptwerk ist das Manual of Cultivated Trees and Shrubs, hardy in North America (1927).

Wilhelm von Reichenau '15'

Portrait Reichenau

(* 1847 in Dillenburg, † 1925 in Mainz)

Preußischer Offizier, später Naturforscher, Verfasser der Flora von Mainz und Umgebung (1900). Reichenau schied nach einer 1870 erlittenen Verwundung aus dem Militärdienst aus und widmete sich als Autodidakt botanischen, zoologischen und geologischen Studien. Ab 1875 in Mainz. 1898 Konservator der naturwissenschaftlichen Sammlung der Rhenischen Naturforschenden Gesellschaft. Ehrendoktor der Universität Gießen. Ab 1910 Leiter des neuen städtischen Naturkundemuseums; Ernennung zum Professor durch den Großherzog von Hessen.

Philipp Franz von Siebold '16'

(* 1796 in Würzburg, † 1866 in München)

Arzt, Japanforscher und Botaniker, Einführung vieler Gartenpflanzen nach Europa. Siebold trat 1822 als Militärarzt in den Dienst der Niederländischen Ostindienkompanie und reiste zunächst nach Batavia (Jakarta). Von 1823 bis 1829 Arzt der Handelsniederlassung auf der Insel Dejima vor Nagasaki. Während dieser Zeit schickte er getrocknete, aber auch lebende Pflanzen über Batavia nach Europa. Nach seiner Rückkehr aus Japan arbeitete Siebold mit Unterstützung des Münchner Botanikers Gerhard Zuccarini seine Sammlungen auf und verfasste eine Flora von Japan. 1839 gründete Siebold in den Niederlanden ein Unternehmen zur Einführung japanischer Pflanzen in europäische Gärten.

Max Top '17'

Top Portrait

(* 1895 in Dresden, † 1986 in Mainz)

1909-1912 Gärtnerlehre in Bautzen; 1913-1926 Gärtner im Botanischen Garten in Dresden; 1926-1937 Gartenmeister im Botanischen Garten Liegnitz; 1937-1945 Oberinspektor am Botanischen Garten Halle; 1945-1960 Technischer Leiter des Botanischen Gartens in Mainz.

Wilhelm Troll '18'

Troll Portrait

(* 1897 in Wasserburg am Inn, † 1978 in Mainz)

Botaniker, Vertreter der typologisch-vergleichenden Morphologie im Sinne Goethes. 1919-1921 Studium in München, Dissertation; 1921-1923 Staatsexamen; 1925 Habilitation; 1928-1930 Sundaexpedition; 1932-1945 Professur in Halle, Leitung des Botanischen Gartens; 1945 Deportation nach Darmstadt; 1946 Berufung an die Universität Mainz, Aufbau des Gartens; 1953 Ablehnung eines Rufs nach Berlin; 1966 Emeritierung.

Carl Ludwig Willdenow '19'

Portrait Willdenow

(* 1765 in Berlin, † 1812 in Berlin)

Apotheker und Botaniker, Systematik und Begründer der Dendrologie, Pionier der Pflanzengeographie. Nach Apothekerlehre 1785-1789 Studium der Medizin in Halle. Botanische Studien als Apotheker in Berlin. 1798 Professor für Naturgeschichte am Collegium medico-chirurgicum in Berlin und ab 1801 Direktor des Botanischen Gartens. Ab 1810 Professor für Botanik an der neugegründeten Universität Berlin. 1811 in Paris zur Bearbeitung der südamerikanischen Pflanzensammlungen von Alexander von Humboldt. Sein Hauptwerk ist Species plantarum, eine Fortführung der Inventarisierung des Pflanzenreichs in der Tradition Carl von Linnés.

Heinrich Walter '20'

(* 1898 in Odessa, † 1989 in Stuttgart)

Geobotaniker und Ökologe, Vegetation und Klimazonen der Erde, eurasische Steppengebiete. Studium der Naturwissenschaften in Odessa, Dorpat und Jena. 1927 Habilitation in Heidelberg. 1932-1941 Professor in Stuttgart, Direktor des Botanischen Gartens der Technischen Hochschule. 1941-1944 Professor in Posen, dazwischen als Wissenschaftler in der Ukraine tätig. 1945-1966 Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim. Auf zahlreichen Forschungsreisen fast alle Vegetationszonen der Erde untersucht.

Heinrich Wydler '21'

(* 1800 in Zürich, † 1883 in Gernsbach, Baden)

Botaniker, Systematiker und Morphologe. 1828-1830 am Botanischen Garten in St. Petersburg; 1830-1834 Konservator der Sammlungen von De Candolle in Genf, 1835-1853 Professor für Botanik in Bern. Entdeckte die Wuzelknöllchen als allgemeines Charakteristikum der Leguminosen, jedoch ohne ihre Funktion zu erkennen. Wichtige Beiträge zur Morphologie der Infloreszenzen.