Eidechsenwurz

Sauromatum venosum (Dryand. ex Aiton) Kunth.

Dass die Eidechsenwurz, die im Englischen den schönen Namen „voodoo lily“ trägt, kein argloses Blümchen für eifrige Honigbienen ist, sieht man auf den ersten Blick. Und beim Näherkommen nimmt man schnell einen unangenehmen Geruch wahr, der von den Blüten ausgeht und der eher an Kuhfladen als an Blumenladen erinnert. So sind auch die Insekten, die sich um die Blüten tummeln, eher solche, die sonst um so manches stille Örtchen kreisen. Angelockt werden sie offenbar von einer chemischen Verbindung aus der Gruppe der Kresole, die unter anderem aus dem Urin von Säugetieren bekannt sind.

Bei einem normalen Spaziergang können Sie der Eidechsenwurz leider nicht begegnen. Denn die Pflanze ist im tropischen Afrika und von Südindien bis zum Himalaja beheimatet. Die meiste Zeit des Jahres ist sie eine durchaus annehmbare Blattpflanze. Ihr einziges Blatt ist fußförmig gelappt und hat einen etwa 50 cm langen Stiel, der aus einer in der Erde verborgenen, bis zu 15 cm dicken Knolle wächst. Das Blatt verschwindet nach einiger Zeit, die Pflanze macht nun eine Ruhephase. Mit Beginn der neuen Vegetationsperiode schiebt sich dann ein brauner rutenförmiger Blütenstand aus der Erde. Und wenige Tage später gibt das Hüllblatt den langen Kolben des Blütenstands frei, an dessen Grund sich der Eingang in den unterirdischen Kessels mit den Blüten befindet. Der Kolben erhöht beim Aufblühen seine Temperatur. Wenn man ihn jetzt berührt, fühlt er sich unangenehm lebendig an. Es gibt nur wenige Pflanzengruppen, die in der Lage sind, die Temperatur ihrer Blüten oder Blütenstände zu erhöhen. Seerosen können das, um Käfer zu wärmen, die nachts in ihren Blüten Schutz suchen und dabei die Blüten bestäuben. Und einige Aronstabgewächse, zu denen die Eidechsenwurz zählt, können den Kolben des Blütenstands erwärmen, um den atemberaubenden Fäkalien- oder Aasgeruch besser zu verströmen. Damit locken sie Fliegen an, die auf der Suche nach einer geeigneten Stelle für die Eiablage sind. Die Fliegen rutschen leicht vom Grunde des bräunlich gefleckten Hochblattes ab und fallen in den Kessel. Dabei passieren sie zunächst die Staubblattzone und dann, kurz vor dem Grund, noch ein paar sterile, keulenförmige, gelbe Blüten, die einen zitrusartigen Duft verströmen. An der Basis des Kolbens befinden sich die weiblichen Blüten. Sie sind bereit für die Bestäubung. Am Abend schließt sich das Hüllblatt, und die Insekten bleiben im Kessel gefangen. Erst am nächsten Tag öffnen sich die Staubblätter der männlichen Blüten, die sich auf Höhe des Schlunds am Kolben befinden, und streuen ihren Pollen auf die Fliegen. Danach beginnt das Hochblatt zu welken, und der Ausgang aus der kesselförmigen Falle weitet sich. Die Insekten können nun den Blütenstand verlassen. 

Trotz ihrer vorwiegend tropischen Verbreitung kann die Eidechsenwurz in warmen Regionen wie dem Rhein-Main-Gebiet ganzjährig im Freien kultiviert werden. Die Knolle muss nur tief genug in die Erde gepflanzt werden, damit sie vor strengeren Frösten geschützt ist. Wenn Sie es ausprobieren wollen, die Pflanze ist in Spezialgärtnereien oder auf Pflanzenbörsen leicht zu bekommen. Sie müssen die Knolle aber gar nicht einpflanzen. Auch ohne Wasser und Erde wird sie nach einige Zeit in der Wohnung ihren eindrucksvollen Blütenstand bilden. Machen Sie sich keine Sorgen, Sie könnten das Schauspiel verpassen. Sie werden schon riechen, wenn es soweit ist.

Systematik    Aronstabgewächse (Araceae)

Heimat    Tropisches Afrika, Südindien bis zum Himalaja
Standort    Systematische Abteilung, Beet 3

Literatur
Latzel, G. (2008). Zur Biologie der Eidechsenwurz (Sauromatum venosum). Der Palmengarten 72/1: 54-63.

Text und Fotos: Ralf Omlor | 18.05.2009, überarbeitet 21.11.2014