Mohren-Salbei

Salvia aethiopis L.

Der Botanische Garten der Johannes Gutenberg-Universität beherbergt neben seinem öffentlich präsentierten Pflanzen einige spezielle Forschungssammlungen. Zu diesen zählt eine der größten Salbei-Sammlungen Europas mit rund 200 Arten, Varietäten und Sorten dieser bedeutenden Heil- und Zierpflanzengattung. Die Salbei-Pflanzen sind im Botanischen Garten zum Teil in die Dauerpflanzungen integriert, zum Teil werden sie aber auch in separaten Bereichen oder in einem eigenen Gewächshaus kultiviert. In der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Regine Claßen-Bockhoff am Institut für Spezielle Botanik wird vor allem die Blüten- und Bestäubungsbiologie der Gattung Salbei erforscht. Viel Arbeit, denn zur Gattung Salbei gehören weltweit rund 1000 Arten.

Die wohl auffälligste Salbei-Art im Botanischen Garten ist der Mohren-Salbei. Er bildet jedes Jahr einen großen Bestand auf der Steppenanlage neben der Nachbildung des Mainzer Sandes. Auf dieser Steppenanlage soll im Laufe der Zeit eine südosteuropäische Federgrassteppe entstehen. Inzwischen ist schon eine große Zahl der typischen Arten vorhanden, aber es sind jeweils nur wenige Exemplare. Bis die Federgräser in so großer Menge vermehrt sind, dass sie den Charakter dieser Anlage bestimmen können, darf sich der Mohren-Salbei noch austoben. Denn auch er ist eine echte Steppenpflanze, deren Verbreitungsgebiet von Niederösterreich über die ungarischen Steppengebiete und vom östlichen Mittelmeergebiet bis in den Kaukasus reicht. In Deutschland kann er an sehr trockenen und warmen Standorten als verwilderte Gartenpflanze auftreten. Mit bis zu 1 m Höhe und dem stark verzweigten Blütenstand ist der Mohren-Salbei ein sehr eindrucksvoller Vertreter seiner Gattung. Im ersten Jahr bildet dieser Salbei nur eine große Blattrosette. Nach der Blüte im zweiten Jahr stirbt die Pflanze ab, und der vertrocknete kugelige Blütenstand wird vom Wind als Steppenroller verweht. Dabei fallen die Samen aus und sorgen für die Ausbreitung dieses Salbeis.

Wie fast alle Salbei-Arten verfügt auch der Mohren-Salbei über eine blütenbiologische Besonderheit, die es so nur in dieser Pflanzengattung gibt: Von den ursprünglich vier Staubblättern der Lippenblütler sind nur noch zwei vorhanden und diese sind so umgewandelt, dass sie ihren Pollen über einen Hebelmechanismus auf den Rücken von Hummeln und anderen großen Insekten übertragen. Um an den Nektar am Grunde der Blütenröhre zu gelangen, müssen die Insekten die unteren kurzen Arme der Staubblätter nach hinten drücken. Dadurch werden die langen oberen Arme der Staubblätter, an denen sich die Pollensäcke befinden, auf den Rücken der Insekten gedrückt. Durch diesen Mechanismus wird der Pollen immer an der gleichen Stelle auf dem Insekt platziert und so gezielt auf die Narben anderer Blüten übertragen. Aufgrund seiner relativ langen und engen Blütenröhre ist der Mohren-Salbei auf Holzbienen (Xylocopa violacea) als Bestäuber spezialsiert. In der Arbeitsgruppe von Prof. Claßen-Bockhoff wird unter anderem die Evolution der unterschiedlichen Hebelvarianten in der Gattung Salbei untersucht. Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Hebelmechanismus eher zur Optimierung des Reproduktionssystems beiträgt als zur Artbildung.


Systematik: Lippenblütler (Lamiacae)

Heimat:  SO-Europa und östliches Mittelmeergebiet bis Nordiran

Standort: Steppenanlage

 

Text: Dr. Ralf Omlor | 01.07.2010
Fotos: Dr. Ralf Omlor und Silke Czarny (Holzbiene)