Schmetterlings-Orchidee

Phalaenopsis pallens (LINDL.) RCHB.f.

Solange der Winter uns fest im Griff hat und kein Schneeglöckchen oder Winterblüher sich blicken lässt, empfiehlt sich ein Besuch in den Gewächshäusern des Botanischen Gartens. Hier kann man Schnee und Eis vergessen und in die tropische Pflanzenvielfalt eintauchen. Auch unsere Pflanze des Monats, die Schmetterlings-Orchidee Phalaenopsis pallens, will nicht im Traum an Schnee denken. Sie stammt von den Philippinen, wo sie in tropischen Wäldern als Aufsitzer auf Bäumen oder Felsen wächst und ganzjährig nie weniger als 15°C ertragen muss.

Mit ihren hippen Verwandten, den Phalaenopsis-Hybriden aus dem Pflanzencenter, die jährlich zu Millionen vermarktet werden, hat unsere zarte Schönheit nicht viel gemein. Aber ganz verleugnen kann sie diese Verwandtschaft nicht, schließlich gehören sie zur selben botanischen Gattung: Phalaenopsis, der Name bedeutet „wie ein Nachtfalter“ und bezieht sich auf die großen weißen Blüten der Phalaenopsis amabilis, die in der Züchtung der Kulturhybriden eine wichtige Rolle spielt. Insgesamt umfasst die Orchideengattung Phalaenopsis etwa 50 Arten, die in Südostasien von Indien bis Taiwan und bis Nordaustralien beheimatet sind. Fast alle befinden sich in Kultur und wurden inzwischen in die Züchtung von Hybriden einbezogen. Reine Wildarten, wie unsere Phalaenopsis pallens, werden aber nicht in großem Maßstab produziert, sondern allenfalls von Spezialgärtnereien für Liebhaber vermehrt.

Die Gattung Phalaenopsis ist relativ leicht zu erkennen: Die Pflanzen haben nicht die für viele Orchideen typischen Sprossverdickungen, die als Pseudobulben oder Luftknollen bezeichnet werden. Ein weiteres Merkmal liefern die Blätter; sie sind in zwei Reihen angeordnet, und die jungen Blätter sind entlang ihrer Längsachse gefaltet, nicht eingerollt. Als epiphytische Pflanzen haben die Phalaenopsis-Arten, wie viele anderen Orchideen auch, Luftwurzeln. Das weiße Gewebe an der Oberfläche dieser Wurzeln ermöglicht den Pflanzen, auch Feuchtigkeit aus der Luft aufzunehmen. Entscheidend für das Erkennen der Gattung sind aber vor allem die Blütenmerkmale. Die drei äußeren Blütenblätter und zwei der inneren sind mehr oder weniger gleichartig, bei unserer Art gelblich-grün mit bräunlichen Querbändern. Nur das Labellum, das dritte innere Blütenblatt, das zu einer grazilen dreiteiligen Blütenlippe umgebildet ist, unterscheidet sich deutlich. Bei unserer Art ist der vordere Teil dieser Blütenlippe weiß und gefranst, die beiden seitlichen Lappen sind nach oben gefaltet, etwas verdickt und auffällig orangegelb gefärbt. Über die Blütenlippe wölbt sich das aus einem Staublatt und dem Griffel verwachsene Gynostemium, ein Organ, das es in dieser Form nur bei den Orchideen gibt. An der Spitze dieser eigenartigen, gebogenen Säule befinden sich die Narbe und die beiden eingesenkten Pollenpakete, die an einem Stielchen mit einem Klebkörper auf Blütenbesucher übertragen werden. Die Pflanze blüht wie alle Phalaenopsis-Arten über mehrere Wochen, und der Blütenstand bringt immer wieder neue Blüten hervor. Diese Eigenschaften und die Robustheit der Pflanzen hat Phalaenopsis-Hybriden zur wichtigsten Orchideengruppe im Handel gemacht.

 

Systematik: Orchideen (Orchidaceae)
Heimat:  Philippinen
Standort: Gewächshaus 16

Text und Fotos: Dr. Ralf Omlor | 11.01.2010

Die Phalaenopsis wächst auch in der Natur epiphytisch auf Baumstämmen.

Staubblatt und Griffel sind bei den Orchideen zu einer Säule verwachsen. Darunter sind die orangegelben Seitenlappen des Labellums zu erkennen.


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