Fächer-Ahorn

Acer palmatum Thunb. ex E.Murray

Es ist eines der größten Schauspiele der Natur, wenn die Laubwälder der Nordhemisphäre im Herbst ihre Blätter leuchtend rot und gelb färben bevor ihre Winterruhe beginnt. In Mitteleuropa kann man davon nur eine vage Ahnung bekommen, zu artenarm sind unsere Wälder und zu ausgeglichen ist unser Herbstklima. Wer die spektakulärsten Färbungen erleben möchte, muss entweder zum „Indian Summer“ an die Ostküste Nordamerikas reisen oder nach Ostasien, etwa nach Japan, wo der „Momijigari“ - der traditionelle Herbstausflug in die leuchtend roten Wälder - ähnlich beliebt ist wie das Kirschblütenfest „Hanami“ im Frühjahr. Egal ob man sich für Amerika oder Asien entscheidet, zu den Hauptakteuren des farbenprächtigen Schauspiels gehören immer auch Ahorn-Arten. In Nordamerika ist das rote Ahornblatt zum Nationalsymbol Kanadas geworden, und in Japan ist der Fächer-Ahorn (Acer palmatum) dank seiner malerischen Herbstfärbung eine der wichtigsten Pflanzen in der Kultur des Landes.

Das Verbreitungsgebiet der Ahorne (Gattung Acer) liegt überwiegend in der gemäßigten Klimazone der Nordhalbkugel. Es umfasst weite Teile Nordamerikas und Europas, Teile Westasiens und Nordafrikas, aber vor allem Ostasien. Von den weltweit etwa 114 Ahorn-Arten ist die Mehrzahl in China beheimatet, in Europa kommen nur 14 Arten vor. Einige wenige Arten sind bis in die tropischen Gebirge Mittelamerikas und Südostasiens vorgedrungen. Wichtigste Nutzpflanze der Gattung ist der nordamerikanische Zucker-Ahorn (Acer saccharum). Aus seinem im Frühjahr im Stamm aufsteigenden Saft wird der Ahornsirup gewonnen. Das Holz der Ahorne ist nicht sehr witterungsbeständig und daher nur begrenzt nutzbar. Aber der Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) liefert wertvolle Klanghölzer für die Herstellung von Musikinstrumenten. Die größte Bedeutung der Ahorne besteht aber in ihrer enormen Verbreitung als Park- und Gartenbäume.

Der mit Abstand wichtigste Ahorn in der Gartenkultur ist der in Japan und Korea beheimatete Fächer-Ahorn (Acer palmatum). Er zeigt von Natur aus eine beeindruckende orange-rote Herbstfärbung, und sein japanischer Name - Momiji - ist gleichbedeutend mit der roten Laubfärbung im Herbst. Der Fächer-Ahorn ist ein sehr variabler Baum, der kaum höher als 10 m wird. Seit Jahrhunderten wird er in Japan züchterisch bearbeitet, und das Spektrum seiner Formen ist kaum überschaubar. Nach der Einführung in Europa im Jahre 1820 hat auch hier die Züchtung des Fächer-Ahorns begonnen und weitere Formen hervorgebracht, so dass heute etwa 320 Sorten beschrieben sind, die sich in der Form, Größe und Färbung der Blätter und in der Wuchsform stark unterscheiden. Da die Herbstfärbung des Fächer-Ahorns später einsetzt als bei den amerikanischen Arten und meist länger anhält, ist er auch bei uns für die Gartengestaltung kaum zu ersetzen. Davon können Sie jetzt bei einem „Momijigari“ im Botanischen Garten jetzt selbst überzeugen.


Systematik: Seifenbaumgewächse (Sapindaceae)
Heimat:  Japan, Korea
Standort: Arboretum, Feld 7 (Korea, Japan)

Literatur
Gelderen, D.M. van, P.C. de Jong & H.J. Oterdoom (1994). Maples of the World. Timber Press. Portland, Oregon.


Text und Fotos: Dr. Ralf Omlor, 22.10.2010