Ein Bär im Botanischen Garten

Prof. Dr. Elisabeth Gateff stiftet der Grünen Schule und dem Botanischen Garten der Johannes Gutenberg-Universität bedeutende Werke regionaler Künstler  

(Mainz, 15. November 2010). Ein Besuch im Botanischen Garten der Universität Mainz kann immer wieder zu überraschenden Entdeckungen führen. Bisher ging es dabei fast ausschließlich um die Welt der Pflanzen. Seit einigen Wochen können Besucher nun auch unvermittelt auf einen Bären treffen – aber keine Angst, der Bär ist nicht echt! Die Bronzefigur stammt von der Mainzer Künstlerin Anne Kuprat, die es im Auftrag von Prof. Dr. Elisabeth Gateff für den Botanischen Garten gestaltet hat. Die Idee, dem Botanischen Garten einen Bären zu stiften, war im Sommer 2009 entstanden, als sich die Fertigstellung der Grünen Schule im Botanischen Garten abzeichnete. Bereits dieses Bildungsprojekt war von Professor Gateff maßgeblich gefördert worden und soll insbesondere bei jungen Menschen die Begeisterung für die biologische Vielfalt wecken. Damit die jungen Gäste auch in den Pausen ihrer Kurse Ungewöhnliches erleben und Neues entdecken können, schlug die ehemalige Genetikprofessorin vor, im Garten ein Tier aus Bronze aufzustellen. Die Idee zur Bärenfigur kam dann gemeinsam mit Künstlerin Anne Kuprat, die in ihren originellen Tierobjekten aus Papier und Naturmaterialien eine spannende Verbindung zwischen Biologie und bildender Kunst herstellt.

Auch der Bär für den Botanischen Garten wurde zunächst aus Papier, Draht und Leim geformt und dann im Sommer dieses Jahres in der Kunstgießerei in Mainz-Kastel in einem aufwändigen Verfahren in Bronze gegossen. Dazu musste der fast lebensgroße struppige Papierbär zunächst ausgeschäumt und stabilisiert werden, um eine Negativform aus Silikon herzustellen. Im nächsten Schritt wurde ein Positiv aus Wachs gegossen, das dann die Grundlage für den späteren Bronzeguss bildete. Entstanden ist eine ausdrucksstarke Skulptur, die enorme Lebendigkeit ausstrahlt. Der Bär scheint auf seinem Streifzug durch die nordamerikanischen Wälder kurz im Arboretum des Botanischen Gartens zu verharren und den Besuchern dabei einen kurzen, etwas schwermütigen Blick zuzuwerfen.

Außerdem zählt seit Anfang Oktober 2010 eine Plastik des renommierten Mainzer Bildhauers Reinhold Petermann zu den Sehenswürdigkeiten im Botanischen Garten. Die zierliche Frauenfigur aus Bronze trägt den Titel „Elisabeth II“ und wurde von Reinhold Petermann 1969 gefertigt. Sie war vor Kurzem noch in Petermanns retrospektiver Ausstellung „60 Jahre plastisches Werk“ im Mainzer Landtag zu sehen. Nun hat Prof. Dr. Elisabeth Gateff sie für den Botanischen Garten erworben, wo sie am Hauptweg des Gartens neben einem Seerosenbecken eingerahmt von den Zweigen einer Hängebirke einen malerischen Platz gefunden hat. „Elisabeth“ ist nach „Schwingungen“ und dem „Mann mit Pferd“ vor dem Philosophicum auf dem Universitätscampus bereits die dritte Plastik von Rheinhold Petermann in der Kunstlandschaft der Hochschule.

Für die Grüne Schule des Botanischen Gartens hatte Elisabeth Gateff bereits im Frühjahr zwei Gemälde von Julia Belot angekauft. Die in Wiesbaden lebende Künstlerin, die in St. Petersburg neben ihrer künstlerischen Ausbildung auch ein Biologiestudium absolvierte, malt neben Porträts vor allem Pflanzenmotive. Die Stadt Mainz zeichnete sie im Jahr 2004 mit dem Gutenbergstipendium der Stadt Mainz aus. Die beiden Gemälde von Julia Belot zeigen Fingerhut-Pflanzen mit ihren zartrosa Blüten in einer üppig grünen, lichtdurchfluteten Landschaft. Sie stehen in einem belebenden Kontrast zu den geometrischen Formen der modernen Architektur der Grünen Schule.

 

Wir freuen uns sehr über die neuen Kunstwerke“, betont der Leiter des Instituts für Spezielle Botanik und Botanischer Garten, Professor Joachim W. Kadereit. „Und wir sind Frau Professor Gateff für diese großzügigen Spenden sehr dankbar. Der Botanische Garten ist zwar in erster Linie eine wissenschaftliche Einrichtung, aber Kunst und Gärten sind seit jeher eng miteinander verbunden. Und in einem Botanischen Garten, der die Vielfalt der Pflanzen widerspiegeln soll, ist Kunst eine großartige Bereicherung. Das merken wir auch an den sehr positiven Reaktionen der Besucher.“

Die Mainzer Professorin Dr. Elisabeth Gateff hatte bereits im Jahr 2008 den Bau der Grünen Schule im Botanischen Garten mit 50.000 Euro unterstützt und durch diese Spende maßgeblich zur Realisierung des Projekts beigetragen. Professor Gateff ist seit vielen Jahrzehnten eng mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und insbesondere mit dem Botanischen Garten verbunden. Als Professorin leitete sie von 1983 bis 1997 das Institut für Genetik, wo sie die Grundlagen der Krebsentstehung bei Fruchtfliegen erforschte. Für ihre Forschung, mit der sie nachwies, dass Krebs eine genetische Grundlage hat, erhielt sie mehrere renommierte Preise. Ihre Beziehung zu Botanischen Gärten reicht bis in ihre frühe Kindheit zurück. Professor Gateff ist in Sofia aufgewachsen, wo ihr Vater den königlichen Botanischen Garten leitete. Als 1998 der Freundeskreis des Botanischen Gartens der Johannes Gutenberg-Universität gegründet wurde, zählte Professor Gateff zu den ersten Mitgliedern.

Die neuen Kunstwerke im Botanischen Garten sind bei einem Rundgang durch den Garten während der normalen Öffnungszeiten (derzeit täglich von 7:30 bis 17:00 Uhr) zu besichtigen. Am Sonntag, 21. November 2010, findet um 11:00 Uhr eine Sonderführung zu den Kunstwerken im Botanischen Garten statt. In diesen Rundgang werden auch die Werke von Oktave Simon und Adam Löffler einbezogen, die sich schon seit Längerem im Botanischen Garten befinden. Stifterin Elisabeth Gateff und die Künstler Anne Kuprat und Reinhold Petermann nehmen an der Führung teil.

 

Kontakt und weitere Informationen
Dr. Ralf Omlor
Botanischer Garten der Johannes Gutenberg-Universität
Tel.: 06131 39 22628
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